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Kommunikation, können wir das?

  • SaSchi
  • 22. Sept. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Durch das Buch „Dialogische Intelligenz“ von Martina, Johannes und Tobias Hartkemeyer bin ich auf den angloamerikanischen Quantenphysiker Daniel Bohm aufmerksam geworden. Er hat sich intensiv mit der Idee des Dialogs auseinandergesetzt und darüber publiziert. Leben nach Mustern aus der Vergangenheit, bezeichnet Bohm als Leben aus bereits Gedachtem. Gespräche, in denen lediglich Gedachtes, feste Meinungen ausgetauscht werden, grenzt Bohm ab vom Dialog, in dem man vom Gedachtem zu neuem Denken kommen kann. Anliegen der von Bohm entwickelten Dialog-Kultur ist es Annahmen und möglich Schlussfolgerungen in der Schwebe zu halten und sich die Zeit zu nehmen sie in Ruhe gemeinsam auf ihre Auswirkungen hin zu untersuchen. Dafür ist es aus seiner Sicht notwendig, dass die Beteiligten einander zuhören und aus dem Gespräch heraus Gedanken entwickeln bzw. Erkenntnisse gewinnen (D. Bohm, Der Dialog).

Mein Interesse war geweckt. Bohm berührt für mich einen zentralen Punkt für die Gestaltung unsere Gegenwart und Zukunft. Wenn es gelänge, miteinander ins Gespräch zu kommen, ohne dass es ums Recht behalten geht, in interdisziplinären Dialogen Ideen zu entwickeln, die „Antworten“ auf die Herausforderungen unserer Zeit sein könnten, hätten wir für die Gestaltung der Zukunft deutlich an Kompetenz gewonnen. Ich spürte, wie dieses Thema/ sein Potenzial Resonanz in mir auslöst und entdeckte in ihm den Gedanken von der Begegnung „dazwischen“ wieder. Von da an entwickelte das Ganze eine Eigendynamik. Durch das Gelesene inspiriert, begann ich mein Umfeld einmal mit der „Dialog-Brille“ zu betrachten….


Sind Gespräche aus der Mode gekommen?

.. und fragte mich schon bald, ob Gespräche aus der Mode gekommen sind oder ob wir sie seit jeher selten führen. Gespräche, kein kurzes Update an Informationen. Gespräche, in denen wir zu überraschenden Erkenntnissen kommen oder aus denen wir Gedanken mitnehmen, die uns weiter begleiten. Gespräche, für die wir uns Zeit nehmen, nicht nur mit guten Freunden. Gespräche mit Menschen, die, geprägt durch eine andere Profession, Herkunft usw. eine andere Sicht auf ein Thema haben, eine weitere Farbe in das Gesamtbild einbringen Wenn Interessierte unterschiedlicher Professionen und Funktionen beginnen, ein Konzept für die Schule der Zukunft zu entwickeln, ist diese Form der Kommunikation, aus meiner Sicht, absolut förderlich. Könnten wir uns an ein solches Setting annähern, wäre das unglaublich. Warum ist diese Form des Austausches bestenfalls eine Randerscheinung? Bleibt keine Zeit mehr dafür oder erwarten wir keinen Nutzen davon? Ich fasse mich da an die eigene Nase. Im letzten Jahr bildete ich mit zwei Lehrerkolleginnen eine kollaborative Bubbel. Wir tauschten uns über fachliche Themen aus, nahmen Anteil am Leben der jeweils anderen und profitierten von unseren unterschiedlichen Persönlichkeiten. Für jede von uns war diese Zeit sehr wertvoll. Doch nichts war so, umkämpft wie diese regelmäßigen anderthalb Stunden.


Meine Beobachtungen mit der „Dialog-Brille“ führen zu der Erkenntnis, dass meine Kommunikation, wie auch der Teil meines Umfeldes, den ich beobachten kann, mehrheitlich zur Weitergabe von Informationen dienen. Um nicht missverstanden zu werden, der Austausch von Informationen spielt eine wichtige Rolle in unserer Verständigung. Mich beginnt allerding der Verdacht zu beschleichen, dass viele der „Gespräche“, die ich mit anderen führe, eher Mitteilungen sind, und zwar Mitteilungen mit einem bestimmten Tenor: Wir machen unserem Ärger Luft, schütteln den Kopf über den Unfug, den „andere“ verzapfen. Wohin man sieht, scheint es nichts Gutes mehr zu geben. …..

An dieser Stelle steige ich aus meiner Kommunikationsanalyse aus und kehre noch einmal zurück zu David Bohm. Aus der literarischen Begegnung mit dem Quantenphysiker nehme ich zwei Dinge mit. Zum einen, dass die Haltung, mit der ich Gespräche führe, entscheiden ist und zum anderen, dass ich mich bewusst um Dialoge bemühen möchte.


Es kommt auf die Haltung an

Inzwischen begleitet mich das Thema Kommunikation schon einige Wochen. Ich stelle fest, dass sich ab der Mitte des letzten Jahrhunderts eine beachtliche Zahl an Natur- und Sozialwissenschaftler mit Haltung, Wahrnehmung und Strukturierung unserer Kommunikation befasst haben. Dabei kommt es mir so vor, als hätte ich in einer alten Truhe auf dem Dachboden etwas Wertvolles gefunden,

Von David Bohm ist es nicht weit zu Ruth Cohn, der Begründerin der Themenzentrierten Interaktion. Die mit der TZI verbundene Idee von der Balance zwischen ICH, WIR, Thema und Globe, sowie den damit verbundenen Interaktionsregeln können aus meiner Sicht auch heute vielen Planungs- und Reflexionsrunden, eine geschütztere Gesprächssituation und einen inspirierenden Verlauf bescheren. Und nein, Arbeitsgruppen werden nicht zu Therapiegruppen, wenn wir uns weg von einer sehr stark rationalisierten Kommunikation hinzu mehr Achtsamkeit in unseren Interaktionen bewegen. Hier entsteht vielmehr ein Übungsfeld für Lehrende und ihre Kooperationspartner:innen, Kompetenzen einzuüben, bei deren Entwicklung sie Schüler:innen zukünftig begleiten. Letztlich geht es Ruth Cohn, wie auch David Bohm um die Reflexion unserer Haltung, wenn wir ins Gespräch mit andern gehen und das Angebot einer Rahmung dieser Gespräche. Einer Rahmung, die es gerade erleichtert, die eigene Arbeit/ unterschiedliche Ideen kritisch zu betrachten.

Oft wird beklagt, dass eine einzelne Person an „den Umständen“ nicht viel ändern kann. Ich halte dagegen das Reflektieren der eigenen Haltung und die Offenheit für eine Entwicklung der kommunikativen Kompetenzen jeder einzelnen Person als einen situationsverändernden Beitrag, dessen Wirkung nicht zu unterschätzen ist.

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