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Braucht Kulturelle Bildung Teamentwicklungstools?

  • SaSchi
  • 25. Sept. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Begegnen sich zwei, zum ersten Mal und entwickeln gemeinsam ein agiles Projekt. Klingt das nach einem Erfolgsrezept? Ich beschließe ein Meinungsbild einzuholen, greife zum Handy und starte eine Spontanumfrage in meinem Umfeld und unter einigen Kommilitoninnen. Die Antworten reichen von: „… nicht zwangsläufig, hängt davon ab, ob die beiden es schaffen eine gute Beziehung zueinander aufzubauen“, über „… ob es zum Erfolg führt, hängt von den Aushandlungsprozessen ab“, bis „klingt nach Kreativität, Spontanität und Abwechslung, statt Fortführung und Ergebnissicherung + ein begeistertes Emoji“.

Das ist spannend, denn die Antworten richten den Scheinwerfer auf eines der Themen in interdisziplinären Kooperationen, wobei, „interdisziplinär“ streiche ich gleich mal wieder, in Kooperationen allgemein: Was brauche ich, um mit einer anderen Person gut zusammenarbeiten zu können? Kooperatives Arbeiten vergrößert den Pool an Kompetenzen und damit die Gestaltungsmöglichkeiten. Gleichzeitig starte ich die Zusammenarbeit mit einer mir häufig noch wenig vertrauten Persönlichkeit, die möglicherweise Dinge problematisiert, denen ich allgemein keine Beachtung schenke oder gerne improvisiert, wo ich eine solide Planung vorziehe.

„…. hängt davon ab, ob die beiden es schaffen eine gute Beziehung zueinander aufzubauen“. Manchmal begegnet man Menschen, mit denen sich auf Anhieb eine entspannte Atmosphäre entwickelt. Wir stellen fest, dass wir ähnliche Prioritäten setzen oder sind uns auf Anhieb menschlich nah, so dass es leicht fällt Bedarfe anzusprechen und im Verfahren zu berücksichtigen. Was aber, wenn sich schon bald herausstellt, dass es nicht so einfach werden wird? Ich habe für mich zwei hilfreiche Strategien identifiziert, die ich anzuwenden versuche, um aus Erfahrungen zu lernen.


1) Knowing me

„Verstehe dich selbst, spüre dich selbst, verbinde Dich mit Dir selbst, verändere Dich selbst“…. titelt das Buch „Future Skills Navigator“ (https://www.vahlen.de/pechstein-schwemmle-future-skills-navigator/product/34452695) im Themenfeld intrapersonale Future Skills. Das finde ich einigermaßen beeindruckend, denn bisher zählten Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung zu Fähigkeiten, die sich Betroffene nach einem Burnout mühsam erarbeitet haben. Dass der Fähigkeit zur Introspektion, Selbsterkenntnis, Achtsamkeit, Selbstakzeptanz, nun eine so große Bedeutung zukommt, ist aus meiner Sicht ein konsequenter und längst überfälliger Schritt, Menschen, auch in beruflichen Kontexten, ganzheitlich wahrzunehmen. Gleichzeitig mahnt es aber auch die Notwendigkeit sich mit den eigenen Grenzen und Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Nur wenn ich selbst verstehe, welche Rahmenbedingungen meine Arbeit unterstützen, kann ich sie aktiv mitgestalten. Das Übergehen der eigenen Bedarfe, aus welchen Gründen auch immer, richtet sich in der Summe gegen uns selbst.

Ich finde es zum Beispiel wenig reizvoll, mich mit meinungsstarken Personen auseinanderzusetzen, die ihre Eindrücke als absolut setzen. Für mich unverhandelbare Werte und wichtige Prozessergebnisse, vertrete ich, keine Frage. Aber mich in einer Diskussion einzubringen, die von Mitteilungen geprägt und kein Gespräch ist?????

Worin ein nächster wichtiger Entwicklungsschritt besteht, kann jede/ jeder nur für sich selbst herausfinden. Anregungen dazu gibt es zahlreiche, z.B. in dem oben genannten und vielen weiteren Büchern, oder durch Gespräche mit Freunden oder Expert:innen. Im besten Sinne handelt es sich hier um lebenslanges Lernen. Ich jedenfalls werde versuchen meine Sicht, Wahrnehmung früher, mutiger in Diskussionen, Aushandlungen einzubringen und dabei versuchen, geduldig mir selbst gegenüber zu sein. Also gleich eine zweifache Herausforderung😉



2) Unterstützende Strukturen etablieren

Es ist schwierig, für die eigenen Bedarfe einzustehen, wenn dazu keine Vereinbarungen getroffen wurden bzw. die Basis fehlt. In der Fachliteratur wird immer wieder darauf verwiesen, dass eine vertrauensvolle Atmosphäre eine wichtige Voraussetzung für Reflexionen ist. Nach Anregungen, wie diese geschaffen werden kann, sucht man meist vergebens.

Im Rahmen des Studienmoduls „Kooperation und Vernetzung“ haben wir einige Methoden erprobt, die, aus meiner Sicht, den Auftakt einer Kooperation bilden können und unkompliziert unterschiedliche Facetten der Akteur:innen untereinander sichtbar machen. Solche unterstützenden Tools könnten sein:


Moving Motivators – Ein persönliches Ranking zehn ausgewählter Werte ermöglicht eine Selbstreflexion zum Thema und ggf. die Möglichkeit, im Austausch darüber Wertekonflikte zu erkennen. Downloadmöglichkeit u.a. hier: https://mailchi.mp/1a1e0a8f1234/druckvorlage-moving-motivators

Die Teamrollen nach Belbin können auch 2er oder 3er Teams hilfreiche Erkenntnisse bescheren. Einerseits bieten sie mir die Möglichkeit, mir selbst bewusst zu werden, in welchen Rollen ich agiere, andererseits kenn deutlich werden, welche Rollen im Team ggf. fehlen. https://www.grin.com/document/213706

Eine weiter Möglichkeit ist eine Team Model Canvas, das eine gute Basis bildet, über Erwartungen, Bedarfe, Rollen, Werte, gemeinsame und persönliche Ziele, sowie Stärken und Schwächen des Teams ins Gespräch zu kommen


Alle diese Tools können einen Rahmen für Gespräche schaffen, die mehr Transparenz in das Setting „Begegnen sich zwei, zum ersten Mal und entwickeln gemeinsam ein agiles Projekt“ bringen. Man könnte auch sagen, dass der „Dazwischen-Raum“, für den Kooperations-Akteur:innen ihre Routinen verlassen, einer Gestaltung bedarf. Aus diesem Grund beantworte ich die Frage, „Braucht Kulturelle Bildung Teamentwicklungstools?“ mit einem klaren Daumen nach oben.

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