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Gestaltungsmut mit dynamischem Selbstbild

  • SaSchi
  • 21. Sept. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Welches Buch hat Eure Gedanken in letzter Zeit in Bewegung gebracht und Euch inspiriert?? Für mich ist das u.a. das Buch „SELBSTBILD – Wie unser Denken Erfolg und Niederlagen bewirkt“. von Carol Dwek https://www.piper.de/autoren/carol-dweck-2180

Ich hatte das Glück ein Video von Carol Dweck zu sehen, bevor ich nach ihrem Werk recherchierte, denn es ist – aus meiner Sicht – gar nicht so leicht, sich dem Buch zu nähern. So wie mich Cover in einer Buchhandlung oder einem Webshop rufen, bewirken andere auch das Gegenteil. Das Auge isst eben nicht nur, es liest auch mit. Ohne Vorwissen hätte mich das Cover definitiv nicht zum Buch greifen lassen und außerdem… Gibt es zum Thema „Selbstbild“ noch etwas Neues zu sagen oder schreiben, dass nicht schon in vielen anderen Bücher zum Thema steht? Die Antwort ist „Ja“. Mit ihrem Buch zum dynamischen und statischen Selbstbild berührt Carol Dwek einen wesentlichen Gelingens-Faktoren für Veränderungsprozesse, der jeden einzelnen, wie auch die Institution/Organisation als Ganzes betrifft.

Welches Selbstbild habe ich, in meiner jeweiligen Rolle? Betrachte ich Misserfolg als Scheitern und Inkompetenz oder kann ich ihn als Lernerfahrung sehen, aus der ich einiges für den nächsten Anlauf mitnehmen kann bzw. der mir zeigt, worin ich mein Knowhow erweitern möchte? Habe ich den Mut, mich immer wieder auf fremdes Terrain zu begeben, Neues zu probieren und meine Grenzen zu erweitern, mich in das „Dazwischen“ zu begeben, Ergebnis offen? Meinen wir mit „Potenzial“ ein fixes Paket an Talente, das jeder von uns „mitbekommen hat“ oder handelt es sich um die Fähigkeit, sich aus Lernerfahrungen, Mut, Neugier und Ausdauer zu entwickeln?

Das Buch ist nicht eine bloße dreihundert-seitige Betrachtung von „nobody is perfect“. Die Autorin beleuchtet durch ihre Beispiele und Forschungsergebnisse virtuos, wie wir durch statische, urteilenden Selbstbilder geprägt sind und wie, viel zu oft, diese Haltung auch unser Lehren und Lernen an Schulen prägt. Dort, wo statischen Selbstbildern regieren, möchten wir „Versagen“ vermeiden, weichen Herausforderungen aus oder engagieren uns bis zur Erschöpfung, um zu genügen. Ihr seht, hier schließt sich der Kreis.

Die Information scheint auf den ersten Blick unspektakulär. Doch Seite um Seite, beleuchtet die Autorin anhand ihrer Forschungsergebnisse, wie fatal, die Auswirkung eines fixed Mindsets sind. Die Art unseres Mindsets bestimmt das Bild, das wir über uns haben, ob wir Herausforderungen angehen oder lieber nichts riskieren. Es beeinflusst wie wir Kolleg:innen, Teammitglieder, Schüler:innen beurteilen. Ein fixed Mindset kennt kein „dazwischen“. Es geht um „Top oder Flop“ und letzteres ist keine Option.

In Bezug auf Kooperationen im Rahmen von Kultureller Bildung, einer Transformation unserer Lernkultur und unser eigenes Agieren in diesen Systemen erscheint mir eine Reflexion zu den Forschungsergebnissen von Carol Dwek fast unumgänglich. Das Buch bietet eine wunderbare Gelegenheit, über Mindsets ins Gespräch zu kommen und Ideen zu entwickeln, wie sich ein growth Mindset in unserem Miteinander, im Umgang mit Schüler:innen, wie auch in der Art zu lehren und lernen ausdrücken kann und damit möglicherweise einen Kulturwandel anzustoßen.

Am Anfang jedoch steht immer das „ich“. Es beginnt immer mit „mir“ und meinem Mindset.

Es ist in Ordnung, wenn Ihr im Hinblick auf eine deutliche Veränderung der Lernkultur skeptisch seid. Am eigenen Selbstbild aber kann jeder arbeiten.


Ein dynamisches Mindset wächst im Erleben

Im letzten Herbst hatte ich im Rahmen meines Studiums die Gelegenheit zu einer Fremderfahrung (= Erfahrungen außerhalb der Komfortzone sammeln), lange bevor ich eine Zeile über Mindsets gelesen hatte. Es war nichts Heldenhaftes. Die Fremderfahrung war eine Studienaufgabe und die einzige Wahl, die ich hatte, war, aus 4 Feldern eines zu wählen, in dem ich am wenigsten erfahren war. In meinem Fall war handelte es sich um die bildende Kunst.

Der Start in diese knapp zweitägige Phase war ein Auf und Ab der Gefühle. Uns stand das Atelier des Wiesbadener Museums zur Verfügung und jede Menge Material. Wir waren eine kleine Gruppe (5Personen) und hatten einen Maler http://www.thomaskohl.de/subpages/Biografie.html als Mentor. Kann man sich mehr wünschen? Jein. Denn da war auch ein Teil meines fixed Mindsets, dass sich energisch an meinem inneren Dialog beteiligte. „Werde ich das können? Sind alle anderen besser als ich? Wie beurteilen andere mein Tun? ….“ Gerade weil der Ausgang dieser Erprobung offen war, konnte ich diesen Fragen nicht genügend entgegensetzen und startete angespannt in die Arbeitsphase.

Ich muss ich auflachen, während ich diese Zeilen schreibe, denn rückblickend, gehören diese beiden Tage zu den wertvollsten Erfahrungen meines Lebens. Es war ein wenig wie Radfahren lernen. Von den ersten zögerlichen Versuchen mit Kohle auf einem A3 Blatt, hin zu einer Serie auf A2 und letztlich zum Experimentieren mit Farben, Spachtel, Pinsel und Nudelholz an einer ca. 2,5 x1m Zeichenfläche. Kleine Impulse und Gespräche mit dem Mentor eröffneten immer wieder eine nächste Schaffensrunde, ohne zu stark Einfluss zu nehmen. Es war eine unglaubliche Erfahrung, die mir noch einmal deutlich gemacht hat: Ich kann andere nicht glaubhaft herausfordern, ihre Komfortzone zu verlassen, wenn ich selbst darin verweile. Ich kann auch nicht kompetent in diesem Prozess begleiten, wenn ich kaum Erfahrungen darin gemacht habe oder diese schon viele Jahre zurückliegen. Wenn ich Neues ausprobiere, locke ich mein fixed Mindset aus der Deckung und kann einen weiteren Teil meiner Persönlichkeit näher an ein growth Mindset bringen.


Die Lektüre des Buches, lässt mich überrascht feststellen, wie häufig das fixed Mindset sich in meine Überlegungen einmischt. Denn während ich lese, fragt mich „fiMI“ wie es sich im beruflichen Umfeld wohl anfühlen mag, als Person mit dynamischem Selbstbild in der Minderheit zu sein. „Mein Haus, mein Boot, mein Auto“ vs. „Lebenslanges Lernen“???? Sucht man sich dann lieber ein neues Wirkungsfeld? Braucht man ein dickes Fell? Was denkt ihr darüber?

Mir ist deutlich geworden, wie stark das Selbstbild mitunter mein Denken, Reden und Handeln bestimmt. Die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Thema halte ich für bedeutsam für unser eigenes Lehren und Lernen, in Bezug auf Kooperationen, wie auch die Gestaltung von Veränderungsprozessen.

Ich wünsche Euch deshalb regelmäßig Gelegenheiten, die Komfortzone zu verlassen und dem Buch viele Leser. Kommt mit Interessierten ins Gespräch und dann schauen wir, was passiert.

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